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Tetenal E6-Diakit

Im Web tauchen immer wieder Fragen zur Selbst-Entwicklung von Farb-Dias auf.
Hier einige Antworten.

benötigte Ausrüstung
Ablauf
Fazit

Es ist möglich, zuhause Farb-Diafilme zu entwickeln, die nach dem E6-Verfahren verarbeitet werden. Dies sind alle am Markt befindlichen Filme, ausgenommen die Kodachromes (K25, K64, K200), die immer mit Entwicklung im Kodak-eigenen Labor verkauft werden.

Ergebnisse wie aus dem Fachlabor oder einem sehr guten Großlabor sind zu Hause nur mit hohem technischem Aufwand und großem finanziellen Einsatz möglich, denn alle Bäder müssen auf 0,05 pH-Wert sowie 0,2°C genau temperiert werden können, die Entwicklungszeit- und -Methode muß exakt wiederholbar sein, die Chemie sollte möglichst nur einmal benutzt werden. Um dieses zu gewährleisten, braucht man Equipment für deutlich über 2500 Euro.
Ergebnisse, die dem normalen Großlabor nur unwesentlich nachstehen, erfordern weniger Aufwand, der Einsatz eines Temperiererbades und eines Dosenrotieres sowie der Einsatz von Aqua Destilata reichen aus.
Selbst wer nur erstmal "reingeschnuppert", die Chemie auf ein - zwei Grad genau temperiert und die Dosen nach Stoppuhr schüttelt, kann gute Ergebnisse erzielen. Ob diese dann aber reproduzierbar sind, mag bezweifelt werden. Spaß machts auf jeden Fall.
Wer "das Letzte" an Qualität aus den Dias herausholen will, kommt um ein gutes Fachlabor nicht herum. Der Prozesss E6 ist dort besser aufgehoben, denn Bildfehler sind anders als bei C41/RA4 nicht korrigierbar, die Dialeinwand zeigt Farbstiche unparteiisch an. Wer seine Dias nur anschließend einscannt, kann sich leichte Farbfehler erlauben, diese werden dann per EBV "geradegerechnet".

Wer sich hiervon nicht abschrecken ließ, das Ganze mal probieren will, Diafilme schnell braucht, oder einfach Spaß am Selbstentwickeln hat, der möge jetzt weiterlesen.

Benötigt werden:

  1. eine Entwicklungsdose (für Kleinbild- oder Rollfilm, je nachdem)
  2. ein Wechselsack oder ein lichtdichter Raum (Dunkelkammer) zum Filmeinspulen
  3. vier Chemieflaschen für 500ml (Erstentwickler, Farbentwickler, Fixbad, Stabilisatorbad)
  4. Mensuren zum Abmessen von Wasser auf weniger als 10 ml genau.
  5. eine Möglichkeit, diese Flaschen und die Entwicklungsdose exakt auf 38°C zu temperieren
  6. eine Stoppuhr
  7. möglichst Erfahrung im Selbstentwickeln von SW-Filmen (nicht notwendig, erspart aber teure Lernfilme und -Chemie)
  8. einen Platz, um die Filme zum Trocknen möglichst staubfrei aufzuhängen.

Alle nötige Chemie ist im Kit enthalten, das Stabibad ist möglichst mit entmineralisiertem Wasser anzusetzen.

Der E6-Prozeß ist recht abhängig von Zeit und Temperatur. Die Temperatur ist für reproduzierbare Ergebnisse auf 0,2°C konstant zu halten, die Zeiten auf unter 10 Sekunden. Wer bislang SW-Filme "geschüttelt" hat, mußte die Temperatur höchstens auf 1 bis 2°C einhalten, die Zeiten auf 15-30 Sekunden.
Bei der Dosenentwicklung verwendet man die Chemie mehrmals, muß aber beim zweiten und dritten Mal die Zeiten verlängern. Die Kapazität von 6 Filmen pro 0,5-Liter-Kit wird laut Anleitungsheft nur dann erreicht, wenn man drei Mal jeweils zwei Filme entwickelt. Entwickelt man jeweils nur einen Film, dann ist die maximale Filmmenge nur drei Stück. Der Hersteller hat sich mit diesen Angaben gegen Fehlentwicklungen abgesichert; Berichte von Anwendern, die sechsmal jeweils nur einen Film erfolgreich entwickelt haben oder die angegebenen Haltbarkeitszeiten der Ansätze (mit Protectan abgesprüht in dunkler Glasflasche aufbewahrt) überschritten und immer noch gute Dias entwickelten, liegen vor. Wie gesagt, ob nach 3 Monaten im 500ml-Kit der siebte Film mit entsprechender Verlängerung entwickelt werden kann, ist nicht garantiert.

Der Ablauf:

  1. Der Film wird im Dunklen in die Spirale der Entwicklungsdose eingespult. Die Dose wird lichtdicht geschlossen. Alle weiteren Schritte erfolgen im Hellen.
  2. Die Dose wird in der Temperiereinrichtung 5 bis 10 Minuten auf 38°C gebracht. Dabei keinesfalls die Dose mit Wasser füllen! Dieses Vorwässern ist schlecht, denn dann muß die Erstentwicklerzeit verlängert werden! Grund: der trockene Film saugt sich schnell mit dem Erstentwickler voll und reagiert, ein bereits nasser Film braucht länger, bis der Erstentwickler das Wasser in der Emulsion verdrängt.
  3. Eingießen des Erstenwicklers. Gleichzeitig die Stoppuhr starten! Alle 15 Sekunden heftig bewegen. Oder kontinuierlich rotieren lassen. Bevor die Zeit abgelaufen ist (etwa 15 bis 30 Sekunden, je nach dem, wie lange man braucht, um die Dose zu leeren), den Erstentwickler ausgießen.
  4. Zwischenwässern. Lieber einmal mehr als einmal zuwenig.
  5. Eingießen des Farbentwicklers. Gleichzeitig die Stoppuhr starten! Alle 15 Sekunden heftig bewegen. Oder rotieren lassen. Bevor die Zeit abgelaufen ist, den Farbentwickler ausgießen.
  6. Siehe Punkt 4.
  7. Eingießen des Bleich/Fixbades. Gleichzeitig die Stoppuhr starten! Alle 15 Sekunden heftig bewegen. Oder rotieren lassen. Bevor die Zeit abgelaufen ist, das BX-Bad ausgießen.
  8. Intensiv Wässern. Lieber öfter Wasserwechseln und Dose schütteln als mit ständigem Wasserdurchfluß arbeiten.
  9. Stabilisierbad eingießen und wirken lassen. Jetzt sind Zeit und Temperatur nicht mehr so wichtig.
  10. Stabi-Bad ausgießen, Dose öffnen, Spiralen abtropfen lassen. Spiralen öffnen, Filmanfang mit Klammer nehmen, Filmklammer aufhängen, Filmende mit zweiter Klammer beschweren und den Film zwischen Zeige- und Mittelfinger abstreifen. Fingerringe sind vorher abzunehmen! Das Abstreifen mit Filmabstreiferzangen hat sich im Allgemeinen nicht bewährt, da die Gummilippen allzuschnell Staub oder gar ein Sandkorn annehmen. Und schon gibt es "Telegrafendrähte" über den gesamten Film.
  11. Trocknen lassen. Das dauert aufgrund der dickeren Filmschicht länger als bei SW-Filmen.
  12. Keine Panik! Naß sieht der Film zunächst wie verdorben aus! Er ist weißlich-trübe. Man kann nicht richtig durchsehen, der Bildträger erscheint im Durchlicht meist rötlich. Das alles gibt sich, wenn der Film trocknet; er wird klar, das Trägermaterial farbneutral, die Farben werden besser.
  13. Dose und Spiralen sofort gründlich mit heißem Wasser abspülen. Dabei mehrmals (3 Mal oder öfter) Wasserwechseln. Die im Stabibad enthaltenen Tenside (das sind Schaumbildner wie im Waschpulver) lagern sich sonst im Kunstoff der Dose bzw. der Spiralen ab und können dann den Erstentwickler schäumen lassen, was natürlich nicht sehr gut ist. Zweitens enthält das Stabibad Formalin und wenn sich dieses in den Spiralen ablagert, führt es beim Farbentwickler ebenfalls zu unschönen Farbstichen.
    Alternativ das Stabibad in einem Extradöschen durchführen, z. B. Margarinedose (rund). Es gibt sogar Leute, die den Film bereits aus der Spirale herausnehmen und von Hand durchs Stabibad ziehen. Auf Kratzgefahr weise ich hin!

Wenn hier Gleichzeitig steht, dann heißt das, eingießen und die Stopuhr betätigen. Die Zeiten bewegen sich zwischen 4 und 8 Minuten, die Zeitabweichung durch das Eingießen (dauert je nach Dose 15-20 Sekunden) kann sich im Dia bemerkbar machen. Wichtig ist die Wiederholgenauigkeit! Immer den selben Zeitpunkt zum Stoppen nehmen! Dabei sind aber die Zeiten der Anleitung nur Anhaltspunkte, die auf die eigene Entwicklungsmethode abzustimmen sind. Hat man jedoch die richtige Zeit herausgefunden, dann muß diese recht genau eingehalten werden.

Fazit

Lohnt es sich? Jein. Das Großlabor macht es übernacht für etwa 2 - 3 Euro in meist guter bis sehr guter Qualität. Kratzer auf den Filmen gehören dort zur Seltenheit, Staub auch. Die Farben sind neutral, die Dichten praktisch immer gleich. Zwar sind Ausreißer im Labor möglich (auch dort arbeiten Menschen), aber die Bildqualität ist meines Erachtens der Selbstentwicklung überlegen. Denn:

  1. Das Trocknen ist nur schwer staubfrei möglich.
  2. Der Film trocknet nur selten plan (er ist also stärker gewölbt als normal), was sich auf die Planlage im Projektor auswirken kann.
  3. Die Farbtreue ist schwer herzustellen. Die Dias werden bei geringen pH-Abweichung etwas farbstichig. Je nach Filmhersteller magenta, grün, blau, gelb, usw. Gegebenenfalls muß durch Zugabe von Säure bzw. Lauge ausgeglichen werden. Testfilme sind unvermeidlich.
  4. Die Helligkeit der Dias ist anfangs schwer gleichmäßig zu bekommen. Es dauert etwas, bis man den Rhythmus heraus hat.

Ergo: Nur wer die Bilder am Wochenende schnell braucht, wenn das Großlabor geschlossen hat, oder den Film über- oder unterbelichtet hat (und nicht ins Fachlabor mit E6-Entwicklung zum Pullen/Pushen gehen kann), sollte selbstentwickeln. Wer Zeit hat und Qualität erwartet, gibt die Filme ins Großlabor, für bessere Ergebnisse ins Fachlabor. Selbstentwickeln ist oft unsicherer und schlechter, im Vergleich zum Großlabor (meist kostet die Diaentwicklung als Gutschein einen Euro mehr als der Film ohne) auch noch teurer. Aber es macht Spaß, und das ist ja auch ein Argument ;-)
Erwähnt werden sollte am Schluß, daß es E6-Heimkits natürlich nicht nur von Tetenal gibt, sondern auch von anderen Anbietern, z. B. Kodak oder Agfa.