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Panoramakameras und Panorama-Aufnahmetechniken

Welche Möglichkeiten der Panorama-Aufnahme gibt es?
APS/KB-Kameras
Mittelformatkameras
Spezialkameras
Einige Worte zu den Vergrößerungen
Einige Worte zu den Motiven
Beispielbilder

Zuerst eine Warnung: Wer sich über digitale Panoramas informieren möchte (Stitchen und ähnliche Probleme), der ist hier leider falsch. Auf dieser Seite geht es nur um die analoge Anfertigung von Panoramas.

Was sind Panoramas? Ich definiere sie mal so: Alles, was dem Seitenverhältnis 4:3 bzw 3:2 nicht entspricht, sondern "in die Breite geht", ist ein Panorama.

Warum sind Panoramas so besonders auffällige Bilder? Weil sie dem natürlichen Bildwinkel des Menschen sehr nahe kommen. Und dem "normalen" Bildformat, daß wir von TV, Video und dem Kleinbildformat her kennen, überhaupt nicht entsprechen.
Man denke mal kurz darüber nach, was man alles in seinem etwa 160° großen Augenkreis alles wahrnehmen kann. Am Rande des Blickfeldes fallen zwar statische Elemente weniger auf als sich bewegende Objekte, aber immerhin sind wir in der Lage, einen recht großen Kreisabschnitt des Horizonts mehr oder minder bewußt wahrzunehmen.
Das klassische Bildformat 24x36mm mit dem Verhältnis 3:2 im Querformat ist das wohl meist genutzte Bildformat. Abzüge mit 10x15, die heute wohl am meisten angefertigt werden, dürften in den Fotoalben der Welt dominieren. Hobbyknipser nutzen das daraus herausragende Hochformat nur sehr selten, Amateurfotografen schon öfter. Durch das ungewöhnliche Format sprengen Panorama-Aufnahmen nicht nur den vom Bilderalbum gesetzten Rahmen, sondern fallen durch den erweiterten Bildwinkel sofort auf. Panoramas sind deshalb "Hingucker".

Welche Möglichkeiten der Panorama-Aufnahme gibt es?

Mit vorhandener APS/KB-Kamera

Zunächst einmal die einfachste Methode: man benutzt eine Kamera mit der hochgepushten APS-Filmpatrone. Deren Vorteil war ja bei Markteinführung die Möglichkeit, zwischen drei möglichen Bildformaten bei der Aufnahme zu wählen, dieses dem Labor per im Film eingebauten Magnetstreifen mitzuteilen und so immer das richtige Bildformat vergrößert zu bekommen. Leider ist diese Methode nicht sehr elegant.
Zum einen ist die APS-Patronen nicht der Markterfolg geworden, den sich die Entwickler vorgestellt haben, Filme und Abzüge sind teurer als normale Kleinbildware. Zum anderen ist die Negativfläche kleiner, die resultierenden Prints sind körniger und unschärfer als Kleinbild-Pendants. Und zum dritten ist das Panorama der APS-Kamera "Behumpse". Es wird lediglich jeweils ein Viertel des Negativs oben und unten abmaskiert (einige Kameras haben eine Sucheranzeige, die bei P-Stellung Teile des Suchers entsprechend abdecken). Die resultierende Negativ-Fläche ist nochmals verkleinert und muß für die größere Abzugs-Bildbreite stärker vergrößert werden. Größere Qualität entsteht so nicht. Diese Methode genügt also nur "Knipsern" ohne große Ansprüche. Außerdem ist das Ende der APS-Ära abzusehen, bis auf canon und Kodak haben die großen Kamerahersteller die Produktion im Jahre 2002 auslaufen lassen, die APS-Patrone scheint das Schicksal der Disk-Film-Kassette vorzubestehen.

Mit der klassischen Kleinbildkamera (egal ob billige Sucherkamera, teure Profi-SLR oder exklusive Meßsucherkamera) lassen sich Panoramas auf einfache Weise erzeugen. Wer will, kann sich den Sucher entsprechend dem Panoramaformat abkleben (ein Viertel oben, ein Viertel unten) oder vorsichtig eine Linie auf den Sucher malen. In beiden Fällen sollte man darauf achten, die Veränderungen so durchzuführen, daß sie bei bedarf wieder rückgängig zu machen sind! Wer sich dazu nicht traut, der denke sich bei der Motivsuche den entsprechenden Teil des Suchers verdunkelt ;-)) Das Objektiv sollte für die meisten Motive ein Weitwinkel sein (24-35mm), aber auch andere Brennweiten ergeben oft schöne Panorama-Ergebnisse.
Mit der KB-Kamera gehe man nun auf die Suche nach geeigneten Motiven, traue sich auch mal an Hochformate heran (Stichwort Turm, Hochhaus, Denkmal). Den Film lasse man ganz normal entwickeln und auf 7x10 vergrößern. Die 36 Aufnahmen deckt man nun einfach wieder oben und unten ab, so stellt sich schnell heraus, was als Panorama-Aufnahme taugt, was nicht.
Von den gelungenen Aufnahmen läßt man nun normale Bilder anfertigen, deren Breite dem des späteren Panoramas entspricht, also z.B. MiniPoster 20x30. Diese sind im Großlabor Massenware und darum sehr preiswert, nach den Sommerferien werden diese in Aktionswochen geradezu verschenkt. Nun schneidet man mit einer Schere oder besser mit einem Rollenschneider das obere und untere Viertel des Posters ab, fertig ist das Panorama... Diese Methode ist wahrscheinlich die preiswerteste, denn die Anfertigung von Panoramaformaten im Labor ist Sonderanfertigung und entsprechend teuer. Allerdings darf auch nicht verschwiegen werden, daß die Qualität durch die verkleinerte Negativfläche leidet, möglichst sollte man zu 100ASA-Filmen greifen und zum Stativ.
Extremstes Panorama läßt sich mit der Voigtländer Bessa L und den Super-Weitwinkeln 15 bzw. 12mm nach Beschnitt des Papierabzugs erzeugen.

Eine weitere Möglichkeit bei statischen Motiven ist der Einsatzt eines Shifts. Jeweils eine Aufnahme maximal nach links bzw. nach rechts geshiftet, ergibt je nach verwendetem Shift eine Negativverbreiterung um 15 bis 25mm. Die Prints läßt man entweder im Großlabor entwickeln und montiert sie mittels Schere und Klebsoff, oder man Vergrößert nacheinander beide Negative leicht versetzt auf ein Blatt Fotopapier, wobei die Übergänge durch partielles Abwedeln angeglichen werden müssen. Letztere Methode erfordert einiges an Übung und sicherlich mehrere Versuche, bis das Panorama gelungen ist.

Mit Mittelformatkameras

Um in den Genuß größerer Negativfläche und damit höherer Qualität zu gelangen, gibt es bei bestimmten Mittelformatkameras die Möglichkeit, Kleinbildmagazine bzw. -Einsätze zu verwenden. Dazu zählt z. B. die Mamiya 6MF (MultiFormat) sowie die Mamiya 7 bzw. 7II. Bei diesen genannten Kameras wird das Mittelformat-Bildfenster maskiert, um Negativflächen von 24x65mm zu erzielen. Die optische Qualität der Wechselobjektive der 6 bzw. 7 sind über jeden Zweifel erhaben, dementsprechend ist die resultierende Bildquälität der Vergrößerungen entsprechend hoch.

Prinzipiell läßt sich auch an Großformatkameras eine Kleinbildkassette anbringen, je nach Format sind dann Panoramas mit 24x60 bis 24x110 möglich.

Wer eine Mittelformatkamera besitzt, die keinen solchen Kleinbildadapter ermöglicht, bzw wem diese Anschaffung zu teuer ist, kann auch bei Mittelformatnegativen einfach selber maskieren (Sucher abkleben oder Hilfslinien) und die Postervergrößerungen nachträglich beschneiden. Auch hier ist der Preisvorteil gegenüber den Panorama-Abzügen gegeben, Poster von Mittelformat-Negativen kosten meist genausoviel oder nur geringfügig mehr als Abzüge von KB-Negativen. Nachteilig wirkt sich bei dieser Beschnittmethode nur der große Filmverbrauch aus, ca. 50% der Filmfläche werden "verschwendet". Der Qualitätsverlust durch den Beschnitt und daraus notwendigerer stärkerer Vergrößerung wirkt sich natürlich auch hier aus, aber nur im Vergleich zur Mittelformat-Qualität, denn nach Beschnitt hat das Panorama immer noch mindestens Kleinbild-Quälität.

Spezialkameras

Kommen wir zu den speziell für Panorama hergestellten Aufnahmegeräten. Obwohl die reinen Panorama-Kameras sicherlich eine Nische der Fotobranche darstellen, gibt es erstaunlich viele am Markt. Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen: Umbaulösungen, Rectalineare (feststehendes Objektiv) und Rotierende (drehendes Objektiv) Kameras.
Rectalinare Kameras haben eine feststehende Weitwinkeloptik, rotierende Kameras haben eine sich drehende Trommel, in der das Objektiv befestigt ist, der Film wird kreisbogenförmig um die Trommel herumgeführt, während der Aufnahme wird die Objektivtrommel gedreht und belichtet durch eine Schlitzmaske immer nur einen schmalen Filmstreifen. Dadurch ist die Aufnahmezeit wesentlich länger als die Belichtungszeit.

Die Umbaulösung kann entweder (handwerkliches Geschick vorausgesetzt), selbst durchgeführt werden, oder es wird eine bereits umgebaute Kamera erworben. Herr XXX in Solingen baut z.B. die russische Stereokamera FED um, indem er die Frontgruppe entfernt und ein Großformat-Objektiv mit entsprechendem Bildkreis montiert. Panoramas im Format 24x7777 mit herausragender Qualität entstehen, gemessen an der handwerklichen Arbeit ist die Kamera durchaus preiswert zu nennen. Leider wird der Body nicht mehr ab Werk hergestellt, so daß über kurz oder lang mit stark anziehenden Preisen zu rechnen ist.

Rectalineare Kameras arbeiten mit einem feststehenden Weitwinkel-Objektiv. Seit einiger Zeit bietet Hasselblad mit der X-Pan eine Meßsucherkamera an, die von Anfang an auf Panorama ausgelegt wurde. Die z.Z. drei Optiken mit 30, 45 und 90mm haben einen für das Format 24x66 gerechneten Bildkreis, die Weitwinkel benötigen aber prinzipbedingt einen Centerfilter, um der natürlichen Vignettierung entgegenzuwirken. Vorteil der X-Pan ist die Möglichkeit, jederzeit von Panorama auf das klassische Negativformat von 24x36 umzuschalten, Filmfenster, Sucher und der Film selbst werden entsprechend bewegt bzw. verändert. Außerdem bietet die X-Pan, Belichtungsautomatik und Blitzzündung. Leider ist gerade die Panorama-Brennweite 30mm nur mit Aufstecksucher zu verwenden, durch den Meßsucher muß scharfgestellt, durch den Aufstecksucher muß der Ausschnitt gewählt werden. Technisch ist die Kamera mit Zeitautomatik bei Blendenvorwahl, motorischem Filmtransport und bester mechanischer Qualität gesegnet, nachteilig ist die Tatsache, daß die von der Kamera ermittelte Belichtungszeit nicht im Sucher, sondern auf dem Kameradisplay angezeigt wird. Bei Freihandaufnahmen kann das schonmal zu ungewollt verwackelten Aufnahmen führen. Da Panoramas aber sicherheitshalber immer von Stativ aus gemacht werden sollten, ist das Display für diesen Anwendungszweck kein Nachteil.
Ungewöhnlich ist nur der entwickelte Filmstreifen: Erstens gibt es innerhalb des Filmes normale KB-Negative und Panoramabreitbilder bunt gemischt, zwotens ist die auf dem Filmrand einbelichtete Negativnummer falsch herum: Die X-Pan spult nach Einlegen der Patrone den Film komplett heraus und zielt dann die belichteten Negative in die Patrone zurück. Man sollte den Film im Großlabor als "ungeschnitten" bestellen, sonst werden mit Sicherheit die Panoramas zerstückelt.

Von Gilde gibt es ebenfalls Panoramakameras für Rollfilm, Format 55x170mm. Diese Kamera als rene Panoramakamera zu bezeichnen, ist allerdings untertrieben, das Bildformat reicht von 6x6 über 6x7 und 6x9 bis 6x17, die Großformatobjektive lassen sich tilten und shiften, Stereovorsätze mit zwei GF-Objektiven erlauben traumhafte 3D-6x9-Aufnahmen. Optionale Polaroid- und Digitalmagazine runden das Bild ab, leider erreicht auch der Preis absolut traumhafte Höhen.

Kameras mit drehender Optik gibt es erstaunlich viele, die japanische Widelux dürfte mit zu den ältesten Exemplaren zählen. Preiswerter sind die russischen Horizon-Kameras, deren Bildformat 24x56mm beträgt. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, daß die Rückwand lichtdicht schließt und die Mechanik einwandfrei abläuft. hakt die sich drehende Optik an einer Stelle, gibt es sofort Helligkeitsunterschiede im Bild.

Die aus der Asche der DDR wiederauferstandene Firma Noblex Kamerawerke Dresden (ehemals im Pentacon-Kombinat) hat sich auf Panorama-Kameras spezialisiert, von denen verschiedene Modelle mit KB-Material (24x66) bzw 120er Rollfilm (56x170mm), mit Belichtungssteuerung optional durch den Panolux, gefertigt werden. Der elektrische Antrieb der Objetivtrommel ermöglicht eine gleichmäßigere Drehung und einen größeren Belichtungszeiten-Bereich. Je nach Modell reicht das Spektrum von 1/500 bis zur ganzen Sekunde. Einzigartig bei Noblex ist die Mehrfachbelichtung; dadurch lassen sich bei unbewegten Motiven vom Stativ aus noch längere Zeiten realisieren. Ebenfalls vorteilhaft ist die im Sucher eingespiegelte Wasserwaage und die bei den besseren Modellen vorhandene Shiftmöglichkeit. Eine gerade bei Architekturaufnahmen sehr häufig eingesetze Arbeitsweise, um stürzenden Linien durch Neigen der Kamera nach hinten zu vermeiden.
Zu diesen Kameras bietet der Hersteller einen zusätzlichen Belichtungsmesser an, der eines der großen Probleme der Panoramafotografie lösen hilft: Durch den großen Bildwinkel kommt es zwangsläufig zu extremen Kontrasten, die weder Negativ- noch Diafilm umzusetzen vermögen. Der Panolux kann die Drehgeschwindigkeit der Trommel (also die Belichtungszeit während der Aufnahme!) verändern. Helle Bildteile werden dann schneller (also knapper) belichtet, dunkle Motivteile umgekehrt.
Bei Hochformataufnahmen kann die Belichtungskorrektur manuell eingegeben werden und ermöglicht so Aufnahmen, die mit Grauverlaufsfiltern bei normalen Kameras erzielt würden.
Bei Negativaufnahmenaufnahmen, die in der eigenen Dunkelkammer vergrößert werden, lassen sich höhere Kontraste bei der Aufnahme ggf. durch Abwedeln oder Nachbelichten ganz oder zumindest teilweise ausgleichen, Noblex-Diafotografen werden den Vorteil der veränderlichen Drehgeschwindigkeit während der Aufnahme kaum missen können.

Zu den Luxus-Kameras gehören zweifelsohne die der schweizerischen Firma Seitz. Die Roundshot-Kameras drehen nicht nur das Objektiv, sondern gleich die ganze Kamera. Wie der Name andeutet, sind so 360°-Rundum-Panoramas möglich, die bei Noblex oder Horizon nur durch drei hintereinander angefertigte Aufnahmen mit jeweils dazwischenliegender Drehung des Kameragehäuses um 120° möglich sind. Die Bildübergänge müssen dann hinterher digital oder analog (wesentlich aufwendiger) gestitcht werden.

Einige Worte zu den Vergrößerungen:

Die preiswerteste Methode, normale Poster in Großlabor zu bestellen und dann einfach oben und unten zu beschneiden, wurde bereits erwähnt. Das Anfertigen von richtigen Panoramas mit entsprechenden länglichen Negativen ist eine sehr viel teurere Angelegenheit. Im Großlabor wird man kaum Erfolge erzielen, das Fachlabor nimmt für solche Sonderanfertigungen auch besondere Preise. Ein einzelner Abzug 10x30 kann zwischen 2 und 15 Euro kosten, die Grenze nach oben ist offen. Auch das Entwickeln der Negative könnte schon im Großlabor zu Problemen führen, die breiten Negativflächen können den Filmschneider, der normalerweise 4 Aufnahmen à 24x36 auf einen Streifen bringt, empfindlich stören. Zerschnittene Panoramas können die Folge sein. Also lieber beim Abgeben darauf hinweisen und "ungeschnitten" wünschen. Eventuell muß das aber extra bezahlt werden.

Die sicherste Methode ist die Eigenentwicklung, sowohl C41 als auch RA4 (also Negativ- und Positiv-Entwicklung) sind durchaus in der heimischen Dunkelkammer machbar, die Beschränkung auf SW-Panoramas ermöglicht es, sehr einfach Filme und Vergrößerungen selber zu entwickeln.
Faustregel: Der Vergrößerer sollte auf das nächstgrößere Format ausgelegt sein. Wer KB-Panoramas mit 24x66 vergrößern will, braucht einen 6x7-tauglichen Aufbau, Rollfilm-Panoramas erfordern zwingend einen Großformat-Vergrößerer, Panoramas der Roundshot mit 24x240mm verlangen nach riesigen Vergrößerern, selbst ein 13x18-Gerät ist dann zu klein.
Die Papierbeschaffung ist hingegen einfach: man nimmt ein Blatt 18x24, schneidet es halb durch und erhält so ein für 9x24cm-Panoramas geeignetes Papier. 12x30 und 15x40 entstehen ähnlich. Eine weitere Möglichkeit ist der Kauf von Rollenware, die auf die gewünschte Bildbreite zugeschnitten wird. Dabei sollte aber beachtet werden, daß nach dem Schnittvorgang ein, zwei Tage gewartet wird, bis das Papier die Wölbung verliert.

Einige Worte zu den Motiven:

Panoramas müssen nicht immer nur das "klassische" Panorama zeigen, Bilder von breiten Alpenmotiven, Skylines von Städten oder weite Landschaften sind sicherlich sehr schön, aber durchaus nicht alles, was eine Panoramakamera aufnehmen kann und sollte. Häuserzeilen, Industrieanlagen, Brücken, selbst schlichte Straßenszenen gewinnen durch das Panoramaformat. Hierbei sollte aber immer der bei Weitwinkelaufnahmen gültige Satz "Vordergrund füllen, sonst herrscht gähnende Leere" beachtet werden. Selbst wenn wieder nur der im Vordergrund aufragende Baum, der Hydrant oder das parkende Auto ist, ohne Vordergrundmotiv wirken Weitwinkel-Panoramas selten.
Und Panoramas müssen nicht immer waagrecht sein! Hochformat-Panoramas zählen zu den verblüffendsten Bildern überhaupt. Als Motiv bieten sich neben Hochhäusern, Bäumen und Türmen unzählige andere Motive an. Allerdings muß bei Hochformat-Aufnahmen immer der Sucher kontrolliert werden, ob nicht ungewollt der vorgestreckte Fuß oder ein Standbein des Stativs mit aufgenommen wird.

Bei Kameras mit feststehendem Objektiv ist ein ggf erforderliche Centerfilter zu nutzen, um der natürlichen Vignetierung gegenzusteuern. Die Strahlen treffen an den äüßeren Rändern des Filmfensters bei Weitwinkeln so schräg auf den Film, daß sie ihn nicht so stark schwärzen wie gerade in der Mitte auftreffende Strahlen. Der große Bildwinkel erzeugt aber auch Verzerrungen an den Bildrändern, so werden Kreise zu Ovalen verzogen, der obere Ring des Schornsteins verformt sich zu einem liegenden Oval. Daß die Kamera peinlichst mittels Wasserwaage in die waagrechte Lage zu bringen und die Filmebene parallel zu aufgenommenen Ebene liegen muß, ist selbstverständlich. Leichte Schieflagen zur Horizontalen können beim Vergrößern noch ausgeglichen werden, wenn aber Bild- und Objektebene nicht parallel waren, hilf meist das Verstellen des Vergrößerers nach Scheimpflug nicht weiter.

Kameras mit drehender Optik müssen ebenfalls mit Wasserwaage und parallel zur Objektebene ausgerichtet werden. Zusätzlich kommen aber durch die Schwenkoptik weitere Probleme hinzu. Nur Linien, die durch die horizontale Bildmitte laufen, bleiben gerade, Linien außerhalb der Bildmitte werden zigarrenförmig verzerrt. Je nach Motiv fällt dieser Effekt nicht auf, weil der Betrachter später nicht weiß, ob der abgebildete Weg gerade oder gebogen war. Wenn sich jedoch dem Betrachter eindeutig als gerade bekannte Linien durchbiegen (Rohrleitungen, Flachdächer, Fensterfronten oder Brücken), wird die Bildwirkung herabgesetzt. Jedoch lassen sich diese Verzerrungen auch bewußt als Stilmittel einsetzen; bei gleichzeitiger Neigung der Kamera nach oben entstehen Fisheye-artige Effekte.

Pnaoramas
Die zigarrenförmige Verzeichnung fällt bei allen Motiven auf, bei denen der Betrachter um die geometrische Beschaffenheit weiß. Die Eisenbahnschienen im oberen Bild könnten ja noch eine Kurve sein, aber ein Eisenbahnwagen wird niemals solch verbogene Seitenwände aufweisen. Das wirkt so unnatürlich, daß es sofort auffällt. Landschaftsfotografen haben es da wesentlich leichter: Wenn der Horizont durch die Bildmitte läuft, fällt die Zigarrenform der Abbildung nicht auf, das Auge des Betrachters hält alles für rechtens.
Für das obere Motiv eignet sich eine rectalineare Optik, ggf mit Centerfilter, wesentlich besser.
Auch gut sichtbar ist die Tatsache. daß eine Verdrehung der Kamera aus der Waagrechten bei Panoramas besonders auffällt, die Schornsteine scheinen gleich nach links umzufallen. Selbst wenn die Lichtverhältnisse Freihandaufnahmen ermöglichen, sollte trotzdem das Stativ mit Wasserwaage vorgezogen werden. Gerade bei derrotierenden Linse läßt sich der Horizont nicht allein durch Drehen beim Vergrößern geradedrehen, da die "Zigarre" dann schräg durchs Bild läuft.